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Neues Elementarteilchen
Wie die Ruhr-Universität Bochum am 21. Januar 2009 meldete, wurde ein neues
Elementarteilchen nachgewiesen. Den Nachweis erbrachten Prof. Dr. Maxim V. Polyakov
(Theoretische Hadronenphysik, Ruhr-Universität Bochum) und Prof. Dr. Viatcheslav
Kuznetsov (Kyungpook Universität, Korea). Das neue Teilchen N*(1685) (sprich N star)
stellt einen angeregten Zustand des Nukleons (Protons oder Neutrons) dar, auch
Resonanzanregung genannt. Das Studium dieser Resonanzanregungen liefert wertvolle
Informationen zur inneren Struktur der Bausteine der Materie.
Kork nicht nur für Stopfen bei Wein und Sekt (und im Labor?)
Im Magazin WWW WACKER WORLD WIDE der Wacker Chemie AG berichtet Holger Bienerth in dem Beitrag
'Optimierter Naturstoff' über Kork und teilt Fakten mit, die man nur mit großer Mühe
aus anderen Quellen zusammentragen könnte. Anlass für den Artikel ist die Entwicklung
des neuen Verbundwerkstoffs CPC (Cork Polymer Composites). chemutil hat diesen Artikel und andere Quellen
für die folgende Zusammenstellung verwendet.
Die Rinde der Korkeiche ist ein Produkt der Evolution. Die Rinde schützt den Stamm gegen
Trockenheit und hohe Temperaturen, sie lässt keine Flüssigkeit nach außen durch
und wird bei Bränden nur leicht angesengt.
Portugal steht bezüglich Anbaufläche für Korkeichen und Produktionsmenge von Kork
deutlich an der Spitze der Länder des Mittelmeerraums, die Kork produzieren. Weltweit werden
im Durchschnitt rund 340 000 Tonnen Kork produziert. Der weltgrößte Hersteller von
Korkprodukten ist die Firma AMORIM mit Hauptsitz in Portugal.
30 % der Korkernte werden zu Stopfen verarbeitet, der andere Teil wird granuliert und
verschiedenen Verwendungszwecken zugeführt.
Korkeichen können bis zu 200 Jahre alt werden. Die Rinde wird meist noch
von Hand geerntet, doch darf jeder Stamm nur alle neun Jahre entrindet werden, und ein junger Baum
muss 20 Jahre alt geworden sein, bis die erste Ernte erfolgen kann. Ein Baum kann während seines
Lebens rund 16-mal geschält werden. Immerhin leben 30 000 Familien
in Portugal von der Baumrinde. Erntezeit ist in Portugal Juni bis August. Zu dieser Zeit
herrschen dort Temperaturen von bis zu 47 Grad Celsius.
1 cm3 Kork enthält 40 Millionen Zellen. Kork besteht aus Suberin
(Hauptbestandteil), Lignin, Polysacchariden, Tanninen (verantwortlich für die Farbe),
Wachsen und anderen Substanzen wie Mineralien, Wasser, Glycerin. 60 % des Korkvolumens sind Gase.
Kork
- hat eine geringe Dichte, er ist 'leicht',
- hat eine schlechte Wäremleitfähigkeit,
- ist verdichtbar,
- ist wasserdicht,
- ist luftdicht,
- ist elastisch,
Aufgrund der genannten Eigenschaften wird Kork sogar bei der Weltraumfahrt verwendet.
Die Konstrukteure der europäischen Trägerrakete Ariane setzen Kork unter
anderem an der Spitze der Rakete ein, und bei der US-Raumfähre Columbia sind
die externen Tanks mit Kork isoliert.
Was auch noch wichtig ist:
Wer die Korkeichen erhalten will, soll bei Wein und Sekt auf Kunststoff-Stopfen verzichten.
Nur wenn weiterhin Kork für derartige Flaschen benötigt wird, verlieren die Landwirte,
die Korkeichen anbauen, nicht einen Teil ihrer Lebensgrundlage. Andererseits sollen Wein- und
Sekttrinker ihre Korkstopfen nicht in den Restmüll geben, sondern sammeln. Im Internet findet
man Sammelstellen für Korkstopfen in großer Zahl. Die Stopfen werden von den
Sammelstellen an Behinderten-Werkstätten geschickt. Die Behinderten verdienen etwas Geld,
indem sie die Stopfen sortieren, reinigen und weiterverarbeiten aber nicht zu Stopfen.
Reinigung von Bekleidung mit flüssigem Kohlendioxid
In seiner Ausgabe Nr. 27 vom Juni 2007 berichtet das Magazin 'Umwelt für
Europäer', herausgegeben von der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission,
über Testläufe in den Niederlanden und in Dänemark, Kleidung auf eine ganz neue
Art zu
reinigen.
95 % der Reinigungsbetriebe in der EU benutzen Perchlorethylen (Tetrachlorethen, auch PER genannt,
Cl2C=CCl2, gesundheitsschädlich) bei der chemischen Reinigung;
dabei werden jährlich 70 000 t Perchlorethylen freigesetzt. Diese Freisetzung
könnte entfallen, wenn anstelle Perchlorethylen flüssiges Kohlendioxid, LCO2,
benutzt würde.
Mit den Großversuchen war man zufrieden, obwohl es neben den Vorteilen auch Nachteile gibt.
Die Entwicklung von Waschmitteln für die Reinigung mit LCO2 steckt noch in den Kinderschuhen. Die
Investitionskosten für die neuartige Reinigung sind zwar höher, pro Kilogramm
gereinigter Kleidung sind sie jedoch ähnlich. Es wird damit gerechnet, dass die neue Technologie
in den nächsten zwanzig Jahren die Perchlorethylen-Technik ersetzen kann. Doch die
Substitution der bisherigen Technik hängt von vielen Faktoren ab.
Ethanol-Produktion
Das Handelsblatt befasste sich in seiner Nummer 106 vom 5. Juni 2007 mit der Produktion
von Ethanol. Die USA sind der wichtigste Produzent von Ethanol; hier wird der Alkohol
aus Mais gebrannt. Neben den USA ist Brasilien ein wichtiger Produzent von Ethanol;
hier wird der Alkohol jedoch aus Zuckerrohr gewonnen.
Für 2007 wird in den USA mit einer Produktion von 25,8 Mio. Kubikmeter gerechnet. Dies
bedeutet eine Überproduktion; im vergangenen Jahr haben die USA noch Ethanol importiert.
Es sind 119 Destillationsanlagen in Betrieb und 86 im Bau. In den Vereinigten Staaten wird
das Ethanol überwiegend dem Benzin beigemischt. In Brasilien liegen die Verhältnisse
ganz anders. Neue PKWs werden dort mit Motoren ausgerüstet, die mit Benzin, Alkohol oder jeder
Mischung von beiden gefahren werden können. Da sowohl die USA als auch Brasilien ihr Ethanol
größtenteils selber verbrauchen, gibt es (noch) keinen internationalen Ethanol-Markt.
Es wird damit gerechnet, dass mittelfristig 40 Staaten dem Benzin Ethanol bemischen werden.
REACH ist in Kraft
Die neue europäische Chemikalienverordnung REACH ist seit dem 1. Juni 2007 in Kraft.
REACH geht alle Verwender von Chemikalien an. Viele Firmen haben mittlerweile REACH-Beauftragte.
Polymere sind noch von der neuen Verordnung ausgenommen, doch viele Zusatzstoffe sind von der
Verordnung betroffen. Mehr Informationen gibt es
hier.
Quecksilber
Die Nr. 4 der Chemischen Rundschau vom 10. April 2007 enthält einen Beitrag über Quecksilber.
Die Politiker in Brüssel wollen das flüssige Metall und seine Verbindungen weitgehend
verschwinden lassen, doch ist das nicht so leicht zu bewerkstelligen, und verschiedene
Produzentenbereiche wehren sich gegen die Bestrebungen. Einige Fakten sind von allgemeinem Interesse.
In der EU werden 40 bis 50 % des Metalls beim Amalgamverfahren (zur Herstellung von Chlor und
Natronlauge) benötigt. 48 % der Chlorfabriken in der EU arbeiten noch nach dem Amalgamverfahren.
Die Umstellung auf das Membranverfahren verläuft aus Kostengründen nicht so schnell wie
in Brüssel erwünscht.
Auch aus Messinstrumenten soll das Quecksilber verschwinden. In bestimmten Thermometern wurde es mittlerweile durch
andere Flüssigkeiten oder Legierungen ersetzt, aber bei Thermometern, die hohe Temperaturen präzise
messen sollen, ist das aus technischen Gründen nicht möglich. Bei Fieberthermometern wird
bereits auf Quecksilber verzichtet; es gibt elektronische Modelle.
Wenn man noch an die Quecksilber-Produzenten (z. B. in Spanien) und an die quecksilberhaltigen Verbindungen
denkt, wird sofort klar, dass es sich hier um ein schwieriges Thema handelt, das die Fachwelt noch lange beschäftigen
wird.
In dem erwähnten Bericht ist zu lesen, dass die Quecksilber-Emissionen aus den deutschen
Chloralkali-Elektrolysen (jährlich) ca. 1200 kg betragen und von der Industrie als unbedeutend angesehen werden.
Frau und Mann und ihre Geschlechtschromosomen
Im Heft 6/2006 der Zeitschrift 'Biologie in unserer Zeit' berichtet Prof. Heinrich Zankl
über den kleinen Unterschied zwischen Mann und Frau und seine Auswirkungen. Beim Menschen
und (fast allen Säugetieren) wird das weibliche Geschlecht durch das Vorhandensein von zwei
X-Chromosomen bestimmt, wogegen ein X- und ein Y-Chromosom das männliche Geschlecht ausmachen.
Dieses Y-Chromosom ist im Laufe der Evolution immer kleiner geworden. Es wird angenommen, dass die
Verkleinerung dieses Chromosoms noch nicht abgeschlossen ist. Der Autor erinnert daran, dass der
britische Genetiker Bryan Sykes im Jahre 2003 geäußert hat, dass
in 125000 Jahren die männliche
Fruchtbarkeit ernsthaft gefährdet sein könnte, weil bis dahin das Y-Chromosom noch weiter geschädigt
worden ist. Der Autor macht in seinem Aufsatz u. a. noch interessante Ausführungen über die
Evolution der menschlichen Intelligenz und befasst sich mit der Frage, ob es Geschlechtsunterschiede
in der Intelligenz gibt.
Neuartige Solarzellen
An der Universität von Johannesburg (Südafrika) wurden neue Solarzellen
entwickelt. Sie enthalten kein Silicium, sondern bestehen aus Kupfer, Indium,
Gallium, Schwefel (als Sulfid) und Selen; daher auch der Name CIGSSe. Der
Wirkungsgrad von aus diesen Zellen hergestellten Modulen erreicht bis zu 16 % und
kann durchaus mit den Werten bisheriger Module aus kristallinem Silicium konkurrieren.
Diese neue Entwicklung ist dehalb so interessant, weil kristallines Silicium knapp und
die Nachfrage nach Silicium-Solarzellen groß ist. Bis heute wurde noch kein
Siliciumkristall gezogen, der extra für den Photovoltaikmarkt hergestellt worden wäre;
vielmehr werden Solarzellen derzeit noch aus dem Abfall der Chipfertigung hergestellt. Ein Vorteil
der CIGSSe-Module ist, dass sie auch bei schwachem Licht Energie liefern. Die deutsche Solarfirma
aleo solar GmbH (Brandenburg an der Havel) hat infolge eines Lizenzvertrages Zugang zu der neuen
Dünnschicht-Solartechnologie. (Chemische Rundschau Nr. 6 vom 6. Juni 2006)
Genveränderte Gerste
Die Justus-Liebig-Universität in Gießen
erhielt vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)
die Genehmigung zur Freisetzung von genveränderter Gerste. Ende April 2006
wurde auf einer 10 m2 großen Fläche mit der Aussaat begonnen.
Es ist das erste Mal, dass genveränderte Gerste in Deutschland
freigesetzt wird. Es handelt sich um zwei Linien. Die erste Linie soll die
Gerste für bestimmte Zwecke besser verarbeitbar machen. Bei der zweiten
Linie sollen die Pflanzen widerstandsfähiger gegen bestimmte
Krankheiten sein. (Ernährungs-Umschau, Mai-Heft 2006)
Erdwärme
Man kann sich gut vorstellen,
dass das Reservoir der unterhalb der Erdoberfläche
gespeicherten Energie sehr groß ist. Im Aprilheft 2006
der Zeitschrift der Industrie- und Handelskammer Dortmund
konnte man lesen, dass der Wärmeinhalt der Erde
unseren heutigen Welt-Energiebedarf für 30 Millionen Jahre
decken kann.
Betrug in der Wissenschaft
Nach dem Betrugsfall in der Stammzellforschung gibt es jetzt
auch einen in der Ernährungswissenschaft; so ist im
April-Heft 2006 der Ernährungs-Umschau zu lesen. Professor
Dr. Chandra von der Memorial University Neufundland
soll im Jahr 120 Tage auf Kongressen zugebracht haben
und hat pro Jahr durchschnittlich 11 wissenschaftliche
Publikationen verfasst. Einer seiner Mitarbeiterinnen kamen
mitgeteilte Zahlen komisch vor; sie brachte den Stein ins Rollen:
Daten sind nicht auffindbar, andere wurden offensichtlich gefälscht.
Wegen der Kosten kam es nicht zu einem juristischen Verfahren. Der
Betroffene zeigte sich bis zuletzt uneinsichtig.
Trends in der analytischen Chemie
In der April-Nummer 2006 der "Nachrichten aus der Chemie", der
Zeitschrift der Gesellschaft Deutscher Chemiker, ist rechtzeitig zur
Messe "Analytica" ein "Trendbericht analytische Chemie" erschienen. Zehn
Autoren haben ihn verfasst, jeder Spezialist auf seinem Gebiet. Es sind
auch zehn Teilbereiche der analytischen Chemie, die abgehandelt werden.
Wer erfahren will, wie sich die Analytik weiterentwickelt hat, sollte
diesen Beitrag lesen. Hier nur ein Beispiel: Die klassiche Bestimmung von
Chlorid, Bromid und Iodid in Mineralwässern erledigt ein
Isotachophorese-Chip innerhalb von sechs Minuten.
Bioraffinerien
Raffinerien dienen der Verfeinerung (von Produkten). Man spricht von raffiniertem Zucker
und natürlich von Erdölraffinerien. Relativ neu ist der Begriff
Bioraffinerien.
Hier werden nachwachsende Rohstoffe verfeinert. Über Bioraffinerien und insbesondere
Zuckerrüben als
Ausgangsstoff berichtet die Chemische Rundschau
in ihrer Ausgabe Nr. 10 vom 25. Oktober 2005.
In USA sollen bis 2030 25 % der Chemikalien auf der Basis von Biomasse hergestellt werden.
Die US-Regierung
wendet jährlich 500 Millionen US-Dollar auf, um diese neuen Raffinierien entstehen
zu lassen. Es gibt eine Liste mit 12 Verbindungen, denen zuerst Aufmerksamkeit geschenkt wird.
Die Dicarbonsäure
Bernsteinsäure
HOOC-H2C-CH2-COOH
steht hier an Platz vier. Sie
wird derzeit durch katalytische Hydrierung von Maleinsäureanhydrid hergestellt,
sie lässt sich jedoch auch fermentativ gewinnen. Diese Säure ist deshalb so
interessant, weil sich aus ihr ein ganzer Stammbaum anderer Verbindungen gewinnen lässt.
Es steht fest, dass die erste Bioraffinerie auf der Basis von Bernsteinsäure in USA stehen wird.
Teures Medikament
Bayer
hat in seinem Aktionärsbrief
2005 mit dem Zwischenbericht
zum 30. Juni 2005 in dem Kapitel "Entwicklung der
Risikosituation" aktuelle Zahlen für
das Arzneimittel Lipobay
mitgeteilt.
Das Unternehmen wurde mittlerweile in ca. 14700 Fällen verklagt
(davon in über 14580 Fällen in den USA). Am 30. Juni 2005 waren weltweit
noch 5986 Klagen anhängig (davon 5910 in den USA). Bis zum 30. Juni
2005 hat Bayer weltweit 3017 Fälle ohne Anerkennung einer Rechtspflicht
verglichen und dafür 1,138 Milliarden US-Dollar gezahlt. Vergleichen
Sie diese Zahlen mit der Meldung von vor einem Jahr weiter unten auf dieser Seite.
Um eine Vorstellung von der Höhe der Vergleiche zu bekommen, kann man
den Betrag ausrechnen, der im Durchschnitt pro Vergleich aufgewendet wurde.
Es sind 377196 Dollar.
Lipobay war ein Mittel zur Senkung des Blutfetts. In USA hieß das
Medikament Baycol.
Globaler Kohlenstoffkreislauf
Das Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena beschäftigt sich
mit der Aufklärung von Stoffkreisläufen auf der Erde. Ein wichtiger
Kreislauf ist der Kohlenstoffkreislauf, denn der Mensch greift in den natürlichen
Kohlenstoffkreislauf ein - man denke nur an die Verbrennung von fossilen Brennstoffen.
Der Kohlenstoffkreislauf von Sibirien wird im Rahmen von TCOS (Terrestrial Carbon
Observation System Sibiria) gemessen. Dazu soll bis August 2005 mitten in Sibirien ein
300 m hoher Turm fertiggestellt werden, an dem dann eine Reihe von Gasen mit hoher
Genauigkeit gemessen werden: Kohlenstoffdioxid, Sauerstoff, Lachgas, Kohlenstoffmonoxid,
Methan und Wasserstoff. Zusätzlich sollen kontinuierliche Beobachtungen an weiteren
hohen Türmen entlang eines Breitengrades von Ostpolen über Moskau bis nach
Westsibirien und Jakutien erfolgen.
Die geschilderten Maßnahmen sind ein Teil des CarboEurope-Projektes.
Erschreckende Zahlen
Wie die Ernährungs Umschau in ihrem April-Heft 2005 meldet, ist einer Studie
zufolge die Häufigkeit von Adipositas (übermäßige
Vermehrung des Gesamt-Fettgewebes) in Europa unterschätzt worden. Die Zeitschrift
spricht sogar von einer Adipositas-Epidemie in Europa. Von Übergewicht spricht man,
wenn der Body Mass Index (BMI) 25 bis 29,9 kg/m2 beträgt; bei einem BMI
von mehr als 30 kg/m2 spricht man von Fettleibigkeit.
Dies sind die Zahlen: In Europa sind zwischen 10 und 27 % der Männer und bis zu 38 %
der Frauen adipös; in USA sind es 28 % der Männer und 34 % der Frauen.
In einigen Ländern, und dazu gehört Deutschland, sind sogar mehr Männer
übergewichtig bzw. adipös als in den USA.
Hier finden Sie
mehr zu diesem Thema.
Medizin, Physik und Chemie
Ende März 2005 teilte das Forschungszentrum Jülich mit, dass es
einem interdisziplinären Team von Wissenschaftlern
aus dem Forschungszentrum Jülich und dem Universitätsklinikum Düsseldorf
gelungen ist, eine verbesserte Diagnostik von Hirntumoren mit einem
neuen Verfahren nachzuweisen. Eine im Jülicher Institut für Nuklearchemie
entwickelte kurzlebige radioaktive Aminosäure erlaubt in Anwendung mit Bild
gebenden Verfahren deutlich genauere Angaben über Hirntumore und deren
Ausbreitung als bisher. Die Ergebnisse erschienen kürzlich in der
internationalen Fachzeitschrift "Brain" (Pauleit et al.) und im "Journal of
Neurosurgery" (Floeth et al.). chemutil bringt diese Nachricht,
weil sie zeigt, wie die Chemie uns Menschen helfen kann.
Patienten mit Verdacht auf Hirntumore - speziell Gliome - wurde im Jülicher
Institut für Medizin eine radioaktiv markierte abgewandelte Aminosäure
(genau: O-(2-[18F]Fluorethyl)-L-Tyrosin, kurz: FET)
injiziert. Mit der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) konnte die
Arbeitsgruppe um Prof. Karl-Josef Langen anschließend die Aufnahme und
Verteilung dieser Aminosäure im Gehirn messen. Aktive Tumoranteile nehmen
nämlich vermehrt Aminosäuren auf. Wissenschaftler der Neurochirurgischen
Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf nahmen dann gezielt
Gewebeproben aus dem Tumorbereich. Dabei stellten sie fest, dass mit dieser
Methode die Lage und Ausdehnung des Tumors bei 90 Prozent der Patienten
korrekt diagnostiziert worden war. Eine vergleichende Untersuchung wurde
mit der Magnet-Resonanz-Tomographie* (MRT) durchgeführt, einer
Standardmethode zur Darstellung von Hirnstrukturen. Die anschließenden
Gewebeuntersuchungen zeigten, dass es sich nur bei 50 Prozent der damit
gefundenen Gewebeveränderungen tatsächlich um Tumorgewebe handelte.
In Kombination mit einer weiteren Methode können die Hirnforscher einen
Hirntumor sogar mit einer Wahrscheinlichkeit von 97 Prozent vorhersagen.
Dazu wird das neue Verfahren mit der Magnet-Resonanz-Spektroskopie (MRS)
kombiniert. Ergeben beide einen krankhaften Befund, kann ein Hirntumor als
gesichert gelten.
Mit dem neuen Verfahren können Biopsien und Behandlungen von
Hirntumorpatienten erheblich besser geplant werden. Die Strahlenbelastung
durch die kurzlebige radioaktiv markierte Aminosäure ist nicht größer als
bei üblichen Röntgenuntersuchungen. Zudem kann die Aminosäure in großen
Mengen hergestellt und problemlos zu den rund 80 PET-Geräten in Deutschland
transportiert werden. Dadurch könnten Patienten flächendeckend versorgt
werden. Wann das Verfahren zugelassen und von den gesetzlichen
Krankenkassen anerkannt wird, ist zurzeit noch nicht absehbar.
Die Abbildung (Forschungszentrum Jülich) zeigt Hirnaufnahmen
eines Patienten mit Hirntumor (Astrocytom Grad III),
von links nach rechts in den Schnittebenen transversal (von oben gesehen),
coronal (von hinten) und sagittal (von der Seite). Die obere Reihe wurde
mit der neuen Methode (FET/PET) aufgenommen. Sie zeigt durch die Rotfärbung
eine starke Anreicherung von FET links frontal. Nur in diesem Bereich ließ
sich Tumorgewebe nachweisen.
Die mittlere Reihe wurde mit der Magnet-Resonanz-Tomographie* in
T1-Wichtung** mit Kontrastmittel aufgenommen und zeigt nur geringe
Veränderungen ohne Anreicherung von Kontrastmittel. Die untere Reihe
entstand in T2-Wichtung**; sie zeigt ausgedehnte strukturelle Veränderungen
im Bereich des gesamten Frontallappens.
Erläuterungen
[*] Bei der Kernspin-Tomographie wird der Patient in ein starkes,
gleichmäßiges Magnetfeld gebracht. Durch Radiowellen werden dann die Kerne
der im Körper vorhandenen Wasserstoffatome angeregt. Sie geraten in eine
Art Taumelbewegung. Diese klingt nach dem Abschalten des Impulses ab
("Relaxation"). Dabei verhalten sich die Wasserstoffatome unterschiedlich -
je nachdem, in welcher Umgebung sie sich befinden. Das unterschiedliche
Abklingverhalten lässt sich zur Bildgebung ausnutzen: Es können
hochauflösende Querschnittsbilder des Körpers erzeugt werden.
[**] Durch unterschiedliche zeitliche Wichtung des Relaxationssignals bei der
Bilderzeugung können die Körpergewebe in verschiedener Weise kontrastiert
werden. Im sogenannten T1-gewichteten Bild erscheint Fett immer hell,
Flüssigkeit dunkel. Im T2-gewichteten Bild sieht Flüssigkeit hell aus, das
Fett hat ein intermediäres Signal. T2-Bilder können Gewebsveränderungen mit
hoher Sensitivität erfassen, das Signal ist jedoch sehr unspezifisch.
Kernfusion
Die Verschmelzung (Fusion) von Wasserstoff zu Helium ist der
Prozess, aus dem die Sonne ihre Energie gewinnt.
Bei der Kernfusion verschmelzen Wasserstoffkerne in einem
viele Millionen Grad heißen Plasma zu Heliumkernen.
Fusioniert ein Kilogramm Wasserstoff, wird soviel Energie
frei wie bei der Verbrennung von 10000 Tonnen Steinkohle.
Ziel intensiver Forschung ist es, diese Art der Energiegewinnung
auch auf der Erde nutzbar zu machen. Das
Forschungszentrum Jülich
betreibt dazu das
Kernfusionsexperiment TEXTOR eingebettet in das europäische
Fusionsprogramm und in Kooperation mit den
Fusionslabors Belgiens und der Niederlande im Rahmen des
Trilateralen Euregio Clusters (TEC). Seit zwei Jahren wird
der Dynamische Ergodische Divertor (DED) an TEXTOR intensiv
untersucht. Der DED ist ein innovatives Werkzeug, um den
magnetischen Einschluss am Plasmarand zu beeinflussen.
(14. März 2005)
Die Folgen eines Arzneimittels
Wie Bayer
in seinem Aktionärsbrief
2004 mit dem Zwischenbericht
für das 3. Quartal 2004 in dem Kapitel "Entwicklung der
Risikosituation" mitteilt, wurde das Unternehmen wegen
des Lipidsenkers
Lipobay/Baycol
bislang
weltweit in ca. 14.570 Fällen verklagt, davon in
über 14.460 Fällen in den USA.
Am 19. November 2004 waren weltweit noch 7.169 Klagen
anhängig, davon 7.093 (einschließlich mehrerer
Sammelklagen) in den USA.
Bis zum 19. November 2004 hat Bayer (ohne Anerkennung
einer Rechtspflicht) weltweit 2.895 Fälle verglichen
und dafür 1,1 Mrd. US-Dollar gezahlt.
Flüssigkristalle bei Merck
Im Jahre 2003 betrug der Umsatz der Merck KGaA in den
Unternehmensbereichen Pharma und Chemie 5 Milliarden Euro.
In dieser Zahl ist der Umsatz der Sparte
Liquid Crystals
enthalten; es sind mehr als 400
Millionen Euro.
Merck ist weltweit der führende Hersteller von Materialien
für Liquid Crystal Displays. Das Unternehmen besitzt
mehr als 2500 Patente zu Flüssigkristallen. (Firmenschrift
"100 Jahre Flüssigkristalle")
Element 111 benannt
Das Element 111 erhielt ab 1. November 2004 von der IUPAC offiziell
den Namen Roentgenium und das Symbol Rg. Das Element ist schon eine
ganze Weile bekannt und wurde in Darmstadt bei der Gesellschaft für
Schwerionenforschung mbH entdeckt.
Mehr bei der IUPAC
Chemierohstoffe aus Kohle
1950 wurde in Sasolburg in Südafrika die South African Synthetic
Oil Ltd. (Sasol) mit dem Zweck gegründet, nach dem Fischer Tropsch-Verfahren
aus Kohle Chemieprodukte herzustellen. Aus der Kohle wird Synthesegas erzeugt, das
zu Kohlenwasserstoffen umgesetzt wird; diese werden dann weiterverarbeitet.
Sasol ist die einzige Firma auf der Welt, die das in Deutschland entwickelte
Fischer-Tropsch-Verfahren ausnutzt. Dies hängt damit zusammen, dass
Südafrika erdölarm, aber kohlereich ist.
Derzeit werden jährlich rund 50 Millionen Tonnen Kohle in
sasol-eigenen Bergwerken gefördert und der Fischer-Tropsch-Synthese
zugeführt. Als Produkte entstehen unter anderem
Otto-Kraftstoffe
Dieselkraftstoffe
Flugbenzin
Heizöl
Ethylen
Propylen
Lösemittel
Wachse
2001 hat Sasol die Condea-Gruppe für 1,35 Milliarden Euro von RWE
übernommen, so dass heute Sasol an zahlreichen Standorten in
Deutschland vertreten ist.
Offensichtlich profitiert Sasol von den derzeitig hohen Erdölpreisen.
Das Management hat sich zum Ziel gesetzt, den derzeitigen Konzern-Umsatz von rund
6,2 Milliarden Euro innerhalb von 10 Jahren zu verdoppeln. (4. November 2004. Quellen:
CR Chemische Rundschau Nr. 10 vom 24. Oktober 2004, verschiedene Meldungen im
Internet.)
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